Dienstag, 8. November 2011

Die Palästinenser. Ein Volk im Brennpunkt der Geschichte

„Die Palästinenser. Ein Volk im Brennpunkt der Geschichte“ (2011, SCM Hänssler), ist das rezenteste Buch von Johannes Gerloff zum Nahostkonflikt. Als eine „Sammlung von Eindrücken und Artikeln“ (s.13), liegt der Fokus auf einer Gruppe Menschen, die wir gemeinhin als Palästinenser bezeichnen. Als Leser folgt man dem Journalisten Gerloff auf seinen investigativen Reisen durch den Nahen Osten. Während des Lesens taucht man in dessen Welt ein, wohnt der Beerdigung Arafats in Ramallah bei, spricht mit dem „kleinen Mann“ auf den Straßen in Gaza und Westbank, sowie ranghohen Vertretern aus Politik, Klerus und Widerstand. Fährt man auf der einen Buchseite noch durch die Slums von Beirut, begleitet  man den deutschen Journalisten und Theologen in einem anderen Abschnitt in ein Treffen mit Männern einer Zelle der Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden irgendwo in Gaza. Auch der christlichen Minderheit in den Palästinensergebieten ist ein Kapitel gewidmet. In allen Nachforschungen und Begegnungen wird deutlich, wie wichtig es ist den „geschichtlichen Kontext und Kausalzusammenhänge nicht aus dem Auge zu verlieren“ (s.13), dabei vom „entweder- oder“ zum „sowohl - als auch“ zu gelangen und „nicht einfach auf die Propagandamaschinerien einer Seite auf[zu]springen“, „wenn wir als Ausländer einen Beitrag zur Lösung des Nahostkonflikts leisten wollen“.(s.250) Diese Praxis führt den geübten Journalisten zu herausfordernden Analysen und vielen Aha!-Momenten, die dem Leser zugänglich gemacht werden. Auf den 371 Seiten erspart er seinen Lesern (eines wahrscheinlich vornehmlich christlichen Spektrums) nicht, die eigene Sicht zu hinterfragen, betrachtet aber auch die „Kehrseite der Medaille“ und zeigt ein vielschichtiges und komplexes Bild des israelisch-palästinensischen Konflikts. Leider werden die vielen Quellenangaben und Fußnoten nicht in einem Literaturverzeichnis zusammengefasst, worauf der geneigte Leser vielleicht in einem zweiten Druck (sowie einer eventuellen Übersetzung ins Englische?) hoffen darf.



Johannes Gerloff, geb. 1963, stammt aus dem Schwarzwald. Nach dem Studium der Theologie in Tübingen, Vancouver und Prag 
war er sieben Jahre lang bei der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem tätig. 
Seit dem 1. Januar 1999 ist er Korrespondent des Christlichen Medienverbundes KEP in Israel. 
Johannes Gerloff ist verheiratet und Vater von fünf Kindern.

Samstag, 17. September 2011

Der Friedensprozess - eine Satire

Zuerst möchte ich den geneigten Leser bitten, sich dieses unlängst veröffentlichte Video des israelischen Außenministeriums anzusehen....


(einfach anklicken)



(ich warte....)






Warum stelle ich soetwas auf meinen Blog?
Nun, auch wenn alle übrigen Einträge längst verstaubt sind und die durchschnittliche Besucherquote am Tag bei 0 liegt, oder gerade deshalb, möchte ich mal wieder etwas mit der Welt teilen.
Mittlerweile studiere ich Sprachen und Kulturen des Mittleren Ostens an der Rijksuniversiteit in Groningen (NL). Ich lerne über die Geschichte des Nahen Ostens, dessen Gottesdienste (auch Religionen genannt), lerne Arabisch und langweile mich auf Hebräisch.
Das Buch, das uns Studenten bei der Erlernung der arabischen Sprache (MSA) begleitet (Al-Kitaab Language Program "Alif Baa"), lehrt in Unit 7, dass es höflich ist, wenn man (als Gast) etwas angeboten bekommt, zuerst ablehnt, um die obligatorische Gastfreundschaft des Gastgebers nicht auszunutzen, was in einem Video auf der beiliegenden DVD demonstriert wird:
video

Nun wenden wir unser Wissen bzgl. der Mentalität in arabischen Ländern auf unser Problem an. Hier beginnt die Satire. Der geneigte Leser wird nun, im Falle, dass er nicht weiß, was eine Satire ist, das Internet bemühen, um das in Erfahrung zu bringen...

(ich warte...)


Anders als die gewöhnliche Satire, spielt sich diese im Kopfe des Autors bzw. ggf. im besten Falle, im Kopf des geneigten Lesers ab.
Kleine Denkhilfe:
Wenn es höflich ist, Geschenke und Angebote zuerst abzulehnen, dann ist es nicht verwunderlich, dass bis jetzt kein Angebot von israelischer Seite an die arabischen Nachbarn angenommen wurde; Man hat nicht oft genug gefragt...

Dienstag, 18. Januar 2011

Israel-(Bilder-)Präsentation

Wegen der hohen Nachfrage an Geschichten und Bildern aus meiner Zeit als Volontär in Jerusalem, habe ich in meiner Gemeinde einen Zettel ausgehängt, auf welchem man sich für verschiedene Termine eintragen, und für gewiße Themen Interesse bekunden konnte.
Die Auswertung der sich eingetragenen Massen einiger weniger Eintragungen kam zu dem Ergebnis, dass ich die Präsentation am 22.01.2011 um 17:00Uhr in den Räumlichkeiten der EFG-Kirchlengern abhalten werden soll.
Unangemeldetes Erscheinen ist  erwünscht ;)

ד''ש מגרמניה


בס''ד

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Chanuka die 2.

"Am heutigen Mittwochabend beginnt das jüdische Chanukka-Fest - bis zum Vorabend des 9. Dezember zünden jüdische Familien jeden Abend den achtarmigen Chanukkaleuchter, die so genannte Chanukkia, an - immer eine Kerze mehr, bis am Abend des 8. Dezember alle acht Kerzen brennen. Eigentlich brennen dann neun Kerzen, denn jeder Chanukkaleuchter hat noch eine neunte Kerze - den Schamasch, den Diener, mit dem die anderen Lichter angezündet werden.

Das jüdische Volk erinnert sich in diesen Tagen an die Wiedereinweihung, hebräisch Chanukka, des Tempels. Es feiert den Sieg der Makkabäer über die Hellenisten und freut sich über die Reinigung des jüdischen Heiligtums in Jerusalem von allem heidnischen Götzendienst. Deshalb ist das Fasten in dieser Zeit verboten.

Griechische Kultur aufgezwungen

Ende der 70er Jahre des 2. Jahrhunderts vor der Zeitrechnung hatte der in Syrien residierende Seleuzidenherrscher Antiochus IV. Epiphanes begonnen, dem jüdischen Volk die griechische Kultur aufzuzwingen. Viele Juden im Land Israel hatten den Hellenismus akzeptiert und sich der neuen Kultur angepasst.

"Ultra-orthodoxe Fundamentalisten" mussten sich damals gefallen lassen, dass der Verzehr von Schweinefleisch zur Pflicht gemacht und die Praxis der Schabbatruhe und der Beschneidung mit dem Tode bestraft wurden. Im Jahr 167 vor der Zeitrechnung wurde der jüdische Tempel der griechischen Gottheit Zeus geweiht und zu einem Zentrum des Götzendienstes gemacht.

Unter der Führung des charismatischen Priesterfürsten Mattathias aus Modein begannen torahtreue Juden einen Guerillakrieg gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Syrer und ihre jüdisch-hellenistischen Sympathisanten. Nach dem Tod des Hasmonäers Mattathias übernahm dessen Sohn Judas Makkabäus die Führung der Aufständischen. Ihm gelang es im Jahre 164, Jerusalem zu erobern. Judas reinigte den Tempel und weihte ihn wieder dem Gott Israels.

Wundersame Ölvermehrung

Nach rabbinischer Tradition wollten die Anhänger von Judas Makkabäus bei der Einweihung des Tempels den siebenarmigen Leuchter, die Menorah, im Tempel anzünden. Dazu ist kultisch reines Olivenöl notwendig. Die frommen Juden fanden damals aber nur noch wenig entsprechendes Öl, es soll gerade für einen Tag gereicht haben. Das "Chanukkawunder" war nun, dass diese kleine Menge Öl acht Tage lang ausreichte, den Leuchter brennen zu lassen - lange genug, bis wieder neues, einwandfreies Olivenöl hergestellt werden konnte.

Deshalb spielt bei den Chanukkabräuchen das Öl eine große Rolle. Viele Leuchter werden noch traditionell mit Olivenöl genährt. Außerdem isst man in Öl gebackene Süßigkeiten, wie etwa "Berliner" (Sufganiot) oder Pfannkuchen. Auch Kartoffelküchlein (Latges) sind zum Fest beliebt.

Eine weitere Tradition, die besonders (aber nicht nur!) die Kinder begeistert, sind die Chanukkakreisel, die in allen möglichen Ausführungen angeboten werden. Man erzählt sich, dass die frommen Juden nie aufgehört hatten, die heiligen Schriften zu studieren, obwohl ihnen das in der Zeit der Herrschaft des Antiochus verboten war. Wenn damals unerwartet ein Staatsbeamter erschien, sollen sie die jüdischen Schriften schnell versteckt und irgendwelche Spiele als Vorwand ihres Zusammensitzens hervorgeholt haben.

Der Name "Makkabäer", hebräisch "Makkabi", wird unter anderem als Akronym des Bekenntnisses aus dem Lobgesang des Mose gedeutet: "Herr, wer ist dir gleich unter den Göttern?" (2. Mose 15,11).

Internetportal überträgt Lichtzünden

Zum Anzünden der Chanukkia werden traditionelle Segenssprüche und Gebete gesprochen. Auch in den Synagogengottesdiensten und Tischgebeten wird das Chanukkafest erwähnt. Das Chanukkalicht soll öffentlich sichtbar sein, um das Chanukkawunder zu verkünden. Deshalb stehen viele Leuchter im Fenster oder im Hauseingang. Das Internetportal www.haOlam.de dokumentiert am heutigen Mitwoch ab 18.15 Uhr im Livestreaming ein Lichtzünden in Berlin.

Während der Chanukkawoche geht das Arbeitsleben ganz normal weiter. Nur an den in der Torah, den fünf Büchern Mose, gebotenen Festen wird die Arbeit wie am Ruhetag Schabbat eingestellt. Die Kinder haben Chanukkaferien.

Von: Johannes Gerloff (Jerusalem)"

Q: http://www.israelnetz.com/themen/hintergruende/artikel-hintergrund/datum/2010/12/01/flugsicherheit-abkommen-mit-jordanien-1/

Montag, 8. November 2010

Jetzt ist es aus mit mir

So oder so ähnlich musste mein Koffer gedacht haben, als ich ihn mit 36 Kg belud. Zu seinem Unglück kam ich problemlos durch alle Kontrollen und planmäßig in Deutschland an. In der Tat hat er die Reise nicht überlebt. Er starb im Dienste seines Besitzers und dafür ein kleiner Nachruf:
Er war ein großer unter seinesgleichen (weshalb ich ihn auch gekauft hatte). Während er Israel, Ägypten und Äthiopien bereiste ertrug er viel. Vom Leben gezeichnet verrichtet er seine Tätigkeit auch noch in Invalidität (die Teleskopstange zerbrach am Grenzübergang von Taba). Seine Auffassungsgabe war schier grenzenlos, was ihm zum Verhängnis wurde, als ich ihn mit den Dingen bepackte, die von meiner 15-monatigen Abwesenheit Zeugnis gaben.
Beileidskarten können direkt an die Mülldeponie verschickt werden.

Sonntag, 26. September 2010

Der jüdische Festekalender & der Messias

Eigentlich müßte die Überschrift lauten „Gottes Zeitplan und die biblischen Feste“. Oder „Die Offenbarung Gottes Heilsplanes in den festgelegten Zeiten des Alten Testaments“. Es geht um die Feste, welche heute noch im Judentum begangen werden und dessen Begehung im Alten Testament angeordnet wurde:

Pessach – Passah + Fest der ungesäuerten Brote + Erstlingsgarbe
Schawuot – Das Wochenfest

Yom terua – Das Trompetenfest (heute: jüdisches Neujahr)
Yom Kippur – Der Versöhnungstag
Sukkot - Das Laubhüttenfest
Shabbat – Der Ruhetag

Grundlage dieser Feste ist das Gebot Gottes in Leviticus (3.Mose) Vers 23. Dem Volk des Bundes am Berg  Sinai, das ist Israel, wird geboten bestimmte Zeiten einzuhalten, zusammen mit gewissen Vorschriften, wie und wann der jeweilige Zeitpunkt zu begehen ist.

Warum beschäftigen wir (als nicht-Israeliten) uns jetzt mit diesen Festen, die dem Volk Gottes gegeben wurden und sich am landwirtschaftlichen Zyklus orientieren? Um das zu beantworten zitiere ich Paulus. In Kolosser 2 Vers 16 und 17 schreibt er:
So soll euch nun niemand richten wegen Speise oder Trank, oder wegen eines Festes oder Neumonds oder Sabbats,
 welche Dinge doch nur ein Schatten derer sind, die kommen sollten, wovon aber Christus das Wesen hat. „
Nein, wir MÜSSEN NICHT diese Feste halten, noch gelten uns die Speise und Reinheitsvorschriften des Gesetzes vom Bund am Berg Sinai. Doch sind sie ein Schatten von Dingen, die kommen sollten (und werden). Sie sind Teil des Wesen Jesu, d.h. diese Feste haben etwas mit dem Werk Jesu und seinem Kommen zutun.
Inwiefern? Fangen wir an!        

Pessach erinnert in erster Linie an die 10 Plagen und den Auszug aus der Sklaverei der Israeliten in Ägypten mit anschließender Wüstenwanderung. Im Mittelpunkt unsere Betrachtung  steht jetzt, dass ein unbeflecktes Lamm hier geopfert wurde, damit die Erstgeburt Israels am Leben blieb (siehe Exodus 12). Das ist ein Bild für Jesu Tod am Kreuz (am 14. Nissan) und dessen rettende Auswirkung, für den der glaubt (Römer 10,9-10).
Am Sonntag der Pessachwoche ist die Darbringung der Erstlingsgarbe. Da es sich hierbei um einen Sonntag handelt, kann man hierin Jesu Auferstehung symbolisiert sehen. Pessach und der Tag der Webegarbe – der erste Akt.
 Der 50. Tag danach ist Schawuot, das Wochenfest. An einem solchen Datum geschah das „Wunder von Pfingsten“, welches ist die Geburtsstunde der Gemeinde Christi.
Das war die Gruppe der „Frühlingsfeste“. Geistlich befinden wir uns immer noch in dieser „Sommerpause“  - dem Zeitalter (Dispensation) der Gemeinde. Mit dem Betrachten der zweiten Gruppe bewegen wir die Deixis in die zeitliche Zukunft.
Nach einer feiertagslosen Phase von ca. vier Monaten ist Yom Terua (Tag des Posaunenblasens in Numeri 29,1/ Feiertag des Erinnerns an das Posaunenblasen in Leviticus 23,24) am 1. Tishri (der 7. Monat). Durch viele Geschichten im Alten Testament steht die Posaune (das Widderhorn) im Zusammenhang mit Krieg, aber auch mit Zusammenkunft und Buße. Der Klang der „letzten Posaune“ aus Korinther 15,52 und 1.Thessalonischer 4,16 steht im Zusammenhangmit der Entrückung der Gemeinde bzw. der Wiederkunft Christi. Wie auch immer man diese Hinweise deuten mag, so rückt dies alles den Tag der Posaune in die Endzeit.
Yom Kippur, der Versöhnungstag, wirft zum einen ein Licht zurück auf die Frühlingsfeste und ihre Erfüllung. Die Vorschriften für diesen Tag im Alten Testament (Leviticus 16) weisen auf Jesus hin, der mit seinem Tod als „Sündenbock“ Sühne erwirkt, andererseits auf die Zerstreuung Israels durch den 2. Bock, der in die Wüste geschickt wird (vgl. Hesekiel 20,35 „ Wüste der Völker“). Zum Andern weißt der Versöhnungstag in die Zukunft, zur Versöhnung Israels mit seinem Messias:
„Aber über das Haus David und über die Einwohner von Jerusalem will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets, und sie werden auf mich sehen, den sie durchstochen haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um ein einziges Kind, und sie werden bitterlich über ihn weinen, wie man bitterlich weint über einen Erstgeborenen.“
(Sacharja 12,10)
Sukkot, das Laubhüttenfest, ist das dritte der Pilgerfeste, eines der Zeitpunkte Gottes (מועדי יהוה), ein Treffen mit Gott in seiner Stadt. Alle (s. Deuteronomium 16,11) sind eingeladen und man tritt fröhlich in sein Haus. Man ist dankbar in der Erinnerung an die wunderbare Versorgung während der Wüstenwanderung, dankbar für eine ertragreiche Ernte und für das Symbol der Laubhütte als Zeichen der Vorläufigkeit:
„Und es wird dazu kommen, daß alle Übriggebliebenen von all den Nationen, die gegen Jerusalem gezogen sind, Jahr für Jahr heraufkommen werden, um den König, den HERRN der Heerscharen, anzubeten und das Laubhüttenfest zu feiern. „
(Sacharja 14,16)
Das Laubhüttenfest findet also seine Erfüllung im bzw. durch das Millennium, dem Tausendjährigen Friedensreich Christi.
Der Schabbat - der neue Himmel und die neue Erde - verbindet den Anfang mit dem Ende. Er ist das Ziel, die Ewige Ruhe (Offenbarung 21-22).

Für einen Gläubigen des neuen Bundes haben die „Feiertage“ des  Alten Testaments also doch eine Bedeutung. Nicht nur, dass Jesus selbst diese Zeiten beging; nein, sie sind sogar Teil des Wesens Christi und ein Schlüßel zum Verständnis beider, des Alten und des Neuen Testaments.

Freitag, 24. September 2010

Gedanken zur Ersatztheologie und dem Verständnis alttestamentlicher Prophetie

Seit längerem hat mich dieses Thema beschäftigt. Anknüpfungspunkt für meine Auseinandersetzung mit diesem Thema in schriftlicher Form ist der Aufsatz von einem Theologen (Dr.Eckhard J. Schnabel).

    >>lesen<<

Mittwoch, 22. September 2010

Aktion "Postkarten für Carepakete"

Wir, die deutschen Volontäre im Ilan (d.h. Kyrill, Aaron, Eduard, Simeon und ich), starten die Aktion "Postkarten für Carepakete". Um das "Wie" und "Wieso" zu klären, zitiere ich Aaron, der sich auf seinem Blog die Mühe gemacht hat, dieser Aktion eine humoristische Note vorausgehen zu lassen. Bitte nehmt die Satire nicht zu ernst, unser Anliegen hingegen schon:

"Das Schlemmerdilemma
Freue dich nicht auf den Sonntag. Der jüdische Montag müht sich – gleichsam dem westlichen Pendant – sich möglichst mühsam zu gestalten. Und er kennt seine Waffen.
Die Arbeit macht einem willigen Volontär nicht zu schaffen. Der Sonntag setzt an, wo jeder empfindlich ist. Nimmt das, was jeder liebt: Gutes Essen!
Wer es nicht liebt ist so bedauernswert, dass der Sonntag mit müdem Unverständnis über ihn hinwegsieht. Ich stell mich ihm in den Weg, bin nicht zu übersehen. Er greift an.
“Reis als Beilage?”, denke ich, “Lieber Sonntag, so wird das nichts. Bei Reis macht selbst die Großküche keine groben Fehler.”
Okay, er ist ein wenig körnig, aber das stört mich nicht so sehr. Nicht so sehr wie das… Was ist das?
An dieser Stelle beachte man bitte die sorgfältige Betonung jedes einzelnen Wortes. Man stelle sich meinen Blick vor: Er ist auf eine undefinierbare Masse gerichtet, die die Küchenhilfe liebevoll in den Reis geklatscht hat. Die Augen sind derart aufgerissen, dass die Iris im Verhältnis zum Augapfel auf die Größe eines mathematischen Punktes schrumpft.
Einst sagte man mir, es sei Gemüse. Mit der Farbe blutigen Sauerkrauts und der Form von Speisen, die auf komplizierterem Weg den Körper verlassen hatten. Wenn in dieser Masse jemals etwas Gesundes zu finden war, dann ist es jetzt tot.
Die Küchenhilfe ergänzt weiter eine Frischfrikadelle, die mit Fisch in etwa so viel zu tun hat wie der Fishmac im Ammenmärchen. Ein weiterer Fisch sieht nur von oben genießbar aus.
Mutig schiebe ich mir eine Gabel in den Mund. Sie führt beim ersten Mal Reis mit sich – und ein wenig des damit vermengten Gemüses. Der Nachgeschmack erinnert an Erde. Nicht, dass ich besonders oft Erde essen würde, aber er erinnert an sie. An faule Erde. Und woher auch immer der Geschmack gekommen ist: Er ist gekommen um zu bleiben.
Sollte sich mein Deutschlehrer noch unter meiner Leserschaft befinden, so wird es ihm sicher aufgefallen sein: Ich arbeite in diesem Artikel bewusst mit Übertreibungen. Ich möchte jedem einbläuen, wie gräulich die Lage ist und das alles anhand dieser einen Situation. Natürlich bin ich auch zu anderer Zeit ähnlich bedauernswert – das soll sich in die Köpfe schleichen.
Nach dieser manipulativen Anekdote soll nun folgender Teil des Beitrags wie alleinstehend betrachtet werden. Vielleicht wird das Jahr mich in dieser oder jener Hinsicht verändern – ein gesundes Maß an Dreistigkeit werde ich nicht ablegen.


Um den Kontakt nach Deutschland zu erhalten und nicht zum Judentum zu konvertieren, skype ich gern mit Freunden und Verwandten. Manchmal verwirren mich diese eher, anstatt meine Ansichten zu festigen. Fast immer aber laufe ich in die Küche, um kurz darauf das berühmte “Sliced Dark Bread” zu präsentieren. Es handelt sich dabei um eine luftige Verbindung von Mehl und Wasser, die sich ohne Probleme auf ein Zehntel seiner natürlichen Große reduzieren lässt.
Wenn man während dieser Skype-Sitzungen fragt, was ich denn vermisse, folgt die Antwort promt: Das gute deutsche Essen. Ich glaube es gibt keinen Ort auf der Welt, an dem man besser essen kann. Und ich glaube, es gibt ne Menge Orte in Israel, an denen man besseres Essen bekommt. Arme Volontäre sind leider auf ihre Einrichtung angewiesen.
Nicht mit uns! Wir starten die Aktion “Wohlstand” mit einem unglaublichen Angebot:
Postkarten für Carepakete
Unterstüzt die armen Volontäre in ihrer guten Sache – neben Gebet und guter Worte auch ganz materiell. Für jedes Päckchen, dass die Arbeit in der Einrichtung unterstützt und das Essen hier abwechslungsreicher und nahrhafter macht, antworten wir mit einer Karte aus dem Heiligen Land. Das Motiv der Karte wird von dem hauseigenen Fotografen Kyrill Ahlvers geschossen. Das Päckchen darf mit aller Kreativität gefüllt werden, die bis zu 21 Tage Reise übersteht.Sendet es an:
ILAN – Maon Nachim Gilo
Volonteers Flat
30. Zviya Veyitzchak St.
93840 Jerusalem
Wir danken allen Teilnehmern im Voraus und bitten, die Absenderdaten in sauberer Druckschrift aufzutragen, damit auch die Postkarte den Weg zum Empfänger findet."
(Q: http://israel.garons.net/?p=478 )

Montag, 13. September 2010

Kranbesteigung und andere Höhepunkte

Von einigen Rezipienten meines Blogs habe ich erfahren, dass kurze und komprimierte Artikel (mit vielen Bildern) präferiert würden. Es folgt nun also eine komprimierte Zusammenfassung der nenneswerten Ereignisse ab Mitte August:
Ein sprichwörtlicher Höhepunkt war die Besteigung des sich in Gilo befindlichen Baukranes (beim Uptown Center) vor Sonnenaufgang am 19. August. Für mich war es das dritte mal, dass ich diesen Kran an einem stillgelegten Bauprojekt bestieg und es ging mir viel mehr darum, meine neuen WG-Genossen den wohl bestens Aussichtspunkt ganz Jerusalems zu zeigen. An dieser Stelle möchte ich auf den Blog meines WG-Mitbewohners Kyrill A. hinweisen, welcher zu diesem Anlass "gepostet" hat
Das jährliche Bierfestival sei in diesem Rahmen genannt, wobei die Örtlichkeit (der alte Bahnhof Jerusalems) nicht mit dem Standort vom letzten Jahr (Independencepark) mithalten konnte. Viele Länder, viele Biere und eine Menge Menschen - viel mehr gibt es da auch nicht zu sagen (vgl. Blog von Hagen).






Einen Tag vor dem Seminar meines Trägers  am See Genezareth haben ein paar Mitvolontäre und ich uns aufgemacht, um durch den Yehudya Nationalpark zu wandern bzw. zu schwimmen. Schöne Bilder und die ganze Geschichte mal wieder nachlesbar auf Kyrills Blog.

                                                                                 Das anschließende Seminar mit der Unterbringung in der "Karei Deshe" (Übesetzt: Auenland ?) beinhaltete die Besichtigung des katholischen Dialogzentrums Domus Gelilaeae und dem Berg der Seligpreisungen etc. Dabei beschäftigten wir uns mit Jesus, wie er in den vier Evangelien beschrieben durch die Gegend am und auf dem See Genezareth wandelte und dem 5. Evangelium, der Landschaft. Es ist wahr, dass gewisse Dinge einem erst aufleuchten ,wenn man das Umfeld betrachtet, in welchem Jesus seine Bekannten Worte gesprochen hat.





Im September reisten Volontäre sogar aus Petach Tikva an um vom 5. auf den 6. September den Geburtstag eines meiner WG-Genossen zu feiern. Zu diesem Anlass wurde die traditionelle Ruine bei der Quelle Ein Niftoach aufgesucht.

Erwähnenswert wären jetzt noch die Feiertage (Tag der Posaune/Rosh Hashana und Yom Kippur), welche dieses Jahr auf die vergangenen  und kommenden Tage (9./10. + 18. September) gefallen sind.

Danke für euer Interesse!



Zum Schluss zwei Hinweise:
1. Die Formatierung der Texte mit den Bildern, wie sie meine erlauchte Leserschaft zu Augen bekommt, ist nicht wie ich es mir gedacht habe. Es wird wohl an Blogger oder an dem Theme liegen, das ich verwende.
2.Am linken Rand auf meinem Blog befinden sich die Links zu einem großen Teil meiner Volontärs-Kollegen. Wem ich also zu wenig schreibe, der möge sich an den heiteren Formulierungen anderer, ebenso verlauster, Volontäre vergnügen.

Freitag, 10. September 2010

Der Schabbat und seine Bedeutung

Für manchen Leser mag die Frage in seinem Kopf aufgekommen sein, warum ich über alle wichtigen jüdischen Feiertage berichtet, nur noch nichts zum Schabbat geschrieben habe. Diese Frage habe ich mir jedoch auch schon gestellt und ebenso keine Antwort gefunden, weshalb ihr jetzt aufhören könnt, euch das zu fragen. Ein anderer Grund, warum ihr euch nicht mehr um diese Frage kümmern müsst, ist der, dass ich jetzt die Absicht habe, etwas zum Schabbat zu schreiben.

In einem jüdischen Haushalt werden die letzten Vorbereitungen Freitag Nachtmittag getroffen: Das Essen wir zubereitet und dauerhaft bis Samstag warm gehalten. Es wird geputzt, gereinigt und die letzten Dinge eingekauft, denn am Shabbat werden keine Geschäfte abgeschlossen. Für das rabbinische Judentum beginnen die Regelungen für Schabbat schon vor dem Sonnenuntergang am Freitagabend. Insgesamt gibt es viele Regeln was zu tun und zu lassen ist, wobei dass Verbot immer schwerer wiegt als das Gebot. Häufig gehen die Männer in die Synagoge um den Schabbat-Eingang zu begehen während die Frauen zu Hause den Tisch decken und die Kerzen anzünden (spätestens 18 Minuten vor Sonnenuntergang. Lokale Zeiten >>hier<< einsehbar ). Für fast alles in diesem Vorgang gibt es einen Segensspruch, der damit beginnt, dass man Gott lobt und ihn für das jeweilige Gebot dankt.

Beispiel:
Segen über die Schabbat Kerze

Barukh attah Adonai eloheinu melekh ha-olam,
asher kideshanu bemitzvotav ve-tsivanu l'hadlik
ner shel shabbat.

Gelobt bist du, HERR, unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt hat mit seinen Geboten und uns Geboten hat die Schabbat-Kerze zu entzünden.

Die Ordnung (Siddur) für den Schabbat-Empfang (Kabalat Schabbat) in der Synagoge läuft folgendermaßen ab:

-Psalm 95-99, 29 (teilweise gesungen, teilweise still gebetet oder laut gesprochen)
-Lied „Lecha Dodi“  >>>>>>>>>>>
(der ganze Text mit transliteration >>hier<<)



-Psalm 92 + 93
-Abendgebet des Schabbat
(enthält Danksagungen und Bitten für Umkehr,
Heilung, Rückkehr nach Israel, Ankunft des Messias
und die Wiederherstellung des Tempels und dessen
Gottesdienstes, Frieden, etc.)






Das klingt zwar wie ein Nachtprogramm, jedoch ermöglicht die jahrhundertelange Übung ein Lesen und Singen mit einer Geschwindigkeit, die es einem Außenstehenden nur schwer möglich macht, Schritt zu halten und dem geübten Synagogengänger nach ca. 1 ½ Stunden wieder bei seiner Familie zu sein.
Zuhause angekommen beginnt dann der familiäre Teil des Schabbatabends:
-Lied „Schalom Aleichem“ (Man heißt die Engel des Schabbats willkommen)
-Lied/ Spruch „Lob des Hausfrau“, Sprüche 31
-Segen über den Wein
-Hände waschen – natürlich nicht ohne Segensspruch….
-Segen über das Brot (2 Leibe „Challa“ – als Erinnerung an die 2 Gesetzestafeln und daran, dass man am Freitag die doppelte Menge an Manna sammeln dufte )

Dann wird gegessen. Der große Teil des Tischgebets folgt nach dem Essen, wenn alle zu viel gegessen haben um wegzulaufen ;)
Nein, ernsthaft. Es handelt sich um ein wunderschönes Gebet des Dankes mit der Bitte um Jerusalem, Wertschätzung für Frau und Familie, etc.
Damit endet der Zeremonielle Teil des Freitagabends. Wie an jedem Wochentag gibt es am Schabbat morgens, mittags und abends Gebete, wenngleich sie am Schabbat leicht verändert sind.


Die Bedeutung des Schabbats, aus jüdischer Sicht und ganz prinzipiell biblisch gesehen, ist sehr vielschichtig. Schabat bedeutet Gott „sitzt“ und regiert. Der Mensch hat einen Tag für Gott und seine Familie, und bekommt einen Vorgeschmack auf die Ewigkeit bei Gott. Schabbat ist die Grundlage für alle anderen Feste des HERRN und verbindet den Anfang mit dem Ende. Doch schauen wir uns das einmal genauer an.

Im ersten Schöpfungsbericht (Gen 2,2ff) lesen wir von Gott, dass er „ruhte“. Das Wort (וישבת) kommt von der Wurzel  (ש ב ת) und ist damit mit dem Schabbat (ebenso שבת ) rein lexikalisch schon verbunden. Schäwät, eine weitere Vokalisierungsmöglichkeit der Wurzel „Schabat“, bedeutet übersetzt „(das) Sitzen“ oder „Herrschaft“. Gott schuf durch sein Wort (vgl. Johannes 1) und „setzte sich“, er regiert. Aus Apostelgeschichte 2,33-25 (bzw. Ps110) wissen wir, dass diese Herrschaft Jesus übergeben wurde und einst in dieser Welt sichtbar sein wird. Der Schabbat ist der 7. Tag. „Sieben“ (hebräisch שבע) ist mit der Wurzel des Wortes „schwören“ verbunden. Gott bekräftigt seine Aussagen mit dieser Zahl durch die ganze Bibel hindurch.
Der Schabbat ist zudem das Zeichen für den Bund Gottes mit Israel am Berg Sinai (Ex 31,14ff). Ihn zu bewahren und zu heiligen ist Teil der Zehn Gebote und wird immer wieder als ein solches in den 5 Büchern Moses beschrieben. Mehr noch, ich wage gar zu sagen, er gehört zum Wesen Gottes (siehe Kol 2,17).
In seiner prophetischen Bedeutung der Versöhnung und Wiederherstellung ist der Schabbat mit allen anderen Festen des AT verbunden. Er ist das Ziel! In Kolosser 2,16ff lesen wir zudem, dass jene Feste ein „Schatten“ auf zukünftige Dinge sind, doch damit möchte ich mich ein andermal beschäftigen…
Es gibt alle 7 Jahre ein Schabbatjahr.
Alle 7x7+1 Jahre ist das Jubel- oder Erlassjahr, auf dessen tiefer Bedeutung ich hier auch nicht eingehen möchte.
Beide aber, das Schabbatjahr und das Erlassjahr, sind mit der Vorstellung des Schabbats verbunden und lehren uns Vertrauen auf Gott: Damals in einem Land, in welchem man auf Regen angewiesen war (und ist) wie sonst kaum auf der Welt, sowie heute, wo sich Berge des Essens in den Supermärkten vor unserer Haustür türmen.
Fassen wir zusammen. Der Schabbat ist:
1.       -zur Erinnerung an die Schöpfung als Grundlage aller bibl. Lehre (Ex 31,12ff)
2.      - ein Tag um Gottes Wort zu studieren (Deut 6,4ff)
3.      - lehrt Gott zu vertrauen
4.       -ein Vorgeschmack auf die Ewigkeit (Off 22)

      Der geneigte Leser darf sich jetzt noch fragen, was er so sinnvolles nächsten Samstag bzw. Sonntag vor hat und überlegen, ob er vllt. ein schlechtes Gewissen haben sollte......

Montag, 16. August 2010

Schon wieder: Gilo in den Nachrichten

Bekannterweise wohne und arbeite ich in Gilo. Weil nicht völlig an mir vorbei geht, was so um mich her passiert, berichtete ich bereits einmal über die Situation meines temporären Zuhauses.
Diesmal ist der Jerusalemer Stadtteil Gilo jedoch durch eher positive Neuigkeiten in die Schlagzeilen gekommen. Hierbei ging es weniger um Gilo selbst, als um den Friedensprozess, der auf kooperativer Ebene (wie im letzten Rundbrief schon erwähnt) Fortschritte macht.

Der ARD-Korrespondent Richard C. Schneider mit seinem Videoblog war gestern vorort, als die Schussschutzmauern zwischen Gilo und Beit Jalla entfernt wurde. Auch wenn ich mit seiner Konfliktbeschreibung nicht immer übereinstimme möchte ich dieses Video mit euch teilen:
(Q: http://www.tagesschau.de/ausland/dossierzwischenmittelmeerundjordan100.html)
video

Dienstag, 20. Juli 2010

Der 9. Av & die Bedeutung Jerusalems


Der 9. Tag im Monat Av (im jüdischen Kalender) bezeichnet den Höhepunkt einer 3 wöchigen Trauer- und Fastenzeit. Am 17. des vorigen Monats (Tammus), weil an diesem Tag der Überlieferung nach die Römer durch die Mauern Jerusalems brachen, beginnen die sich in der Intensität der Trauer steigernden 3 Wochen. Man fastet von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, wäscht und rasiert sich nicht mehr, trägt keine Lederschuhe, wechselt seine Kleider nicht mehr, sitzt nicht auf hohen Stühlen und hat keinen Geschlechtsverkehr. In dieser Zeit wird in den Synagogen aus dem Buch Klagelieder gelesen. Der 9. Av ist der Höhepunkt der Trauer- und Fastenzeit, da an diesem Tag der Tempel 70 n.Chr. zerstört wurde.  Nach talmudischer Überlieferung, ist es der Katastrophentag für das jüdische Volk generell. An ihm soll 586 v.Chr. schon der erste Tempel zerstört worden sein. Noch viele weitere Tragödien des jüdischen Volkes werden auf den 9. Av datiert:

·  3892/132 n. Chr. Bar Kochba Revolte niedergeschlagen. Betar zerstört – über 100.000 Personen getötet.
·  3893/133 n. Chr. Turnus Rufus pflügt das Areal des Tempels. Römer erbauen heidnische Stadt Aelia Capitolina auf den Ruinen von Jerusalem.
·  4855/1099 n. Chr. Papst Urban II. deklariert den Ersten Kreuzzug 1095. 10.000 Juden werden im ersten Monat des Kreuzzugs getötet, Mainz, Speyer, Köln. Der Kreuzzug bringt Tausenden von Juden Tod und Zerstörung, totale Auslöschung vieler Gemeinden im Rheinland und Frankreich. In Jerusalem um 1099.
·  5050/1290 n. Chr. Ausweisung von Juden aus England, begleitet durch Pogrome und Beschlagnahme von Büchern und Besitz.
·  5252/1492 n. Chr. Inquisition in Spanien und Portugal kulminiert in der Ausweisung der Juden von der Iberischen Halbinsel mit dem Alhambra-Edikt. Familien getrennt, viele sterben durch Ertränken, massive Verluste von Grund und Boden. Damit beginnt das Exil der Sephardim unter anderem nach Nordafrika.
·  5674/1914 n. Chr. Großbritannien und Russland erklärten Deutschland den Krieg. Der Erste Weltkrieg beginnt. Fragen des Ersten Weltkrieges bleiben ungelöst, schlussendlich den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust verursachend. 75 % aller Juden in Kriegsgebieten. 120.000 Jüdische Gefallene in den Armeen. Über 400 Pogrome unmittelbar nach dem Krieg in Ungarn, Ukraine, Polen und Russland.
·  5702/1942 n. Chr. Deportationen vom Warschauer Ghetto in das Konzentrationslager Treblinka beginnen.
·  5754/1994 n. Chr. Bombenattentat auf das Gebäude der AMIA (das Jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires, Argentinien), das 86 Menschen tötete und mehr als 300 verletzte.


Der 9. Av (Tisha Be’av), mit seiner 3 wöchigen Vorlaufzeit, ist also das einzige Datum, an dem die Klagemauer mit Grund Klagemauer heißt. Während wir Christen die Zerstörung Jerusalems und des Tempels in den Worten Jesu, welcher da war, ist und kommt, angekündigt sehen, hat auch die jüdische Überlieferung nach einem inneren Grund für die Katastrophe gesucht und in ihrem damaligen Verhalten gefunden (>>hier klicken<<).
Natürlich fastet nicht ganz Israel, sondern nur religiöse Juden, doch wollen immerhin die Hälfte der gesamten jüdischen Bevölkerung Israel (also auch säkulare) keiner Freizeitaktivität nachgehen (einer repräsentativen Umfrage nach).

Wer sich mit allen, nicht immer kongruenten Sichtweisen beschäftigt, kommt irgendwann zu der Frage, welche Bedeutung Jerusalem für wen hat. Er denkt an die Vielzahl von Denominationen und Kirchen an jedem nur erdenklichen Ort im Land. Dann sieht er im Fernsehen Bilder vom Papst IN ROM. Hat die römische Kirche ab dem 19. Jhdt. doch nur Interesse an Israel gewonnen, weil sie die missionarischen Aktivitäten etwaige Protestanten fürchteten? Wer war Conrad Schick und warum hat sich in all den Jahrhunderten kein islamischer Herrscher nach Jerusalem bequemt? Warum war die Bevölkerung seit 2 Jahrhunderten immer mehrheitlich jüdisch und nicht christlich? Liegt es vielleicht daran, dass, wenn wir „Jerusalem“ lesen, doch Rom denken? Oder weil wir es aus unseren Köpfen weg-vergeistlicht haben, ja uns bemüht haben jedes Andenken an das Land und seine Erben (Israel!) in die Vergangenheit zu theologiseren? Bedeutet es uns überhaupt etwas, dass sich Gott diesen Ort erwählt hat, dort zu wohnen EWIGLICH (s.z.B. 1. Könige 9,3)? Wo schlägt unser Herz und wo das Herz unseres himmlischen Vaters?
Vergesse ich deiner, Jerusalem, so verdorre meine Rechte!
  Meine Zunge müsse an meinem Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich Jerusalem nicht über meine höchste Freude setze!“ (Psalm 137,5+6)
Jalla

Mittwoch, 30. Juni 2010

Wulff ftw

Ich kann es mir nicht verkneifen, aus dem fernen Jerusalem mich in die deutsche Politik einzumischen.
Ich favorisiere den Präsidentschaftskandidaten Christian Wulff, da seine Wahl Merkels Position stärkt. Er wäre ein Präsident für die Einheit Deutschlands, für Werte und Gerechtigkeit. Dabei bezieht er seine Kraft, nach eigenen Angaben, von Gott:

"Es gibt Menschen, die auf ganz selbstverständliche Weise den christlichen Glauben durch ihre Eltern erlebt haben. Und es gibt Menschen, die sich erst im Laufe ihres Lebens Gott nähern. Aber es gibt für jeden Menschen die Chance, seine ganz persönliche Beziehung zu Gott zu entwickeln. Die Bibel erzählt, was Gott für viele Menschen war und was er auch für die Menschen von heute sein kann - ein fester Halt und die Mitte ihres Lebens.
Für mich erschließt sich Gott über "Gottvertrauen", denn Gott bedeutet Vertrauen: Vertrauen auf den neuen Tag, auf ein gutes Ende in schwierigen Situationen, schließlich auch Vertrauen auf das Leben nach dem Tod. Vertrauen gibt Sicherheit und Geborgenheit, gibt Kraft und macht Mut. Ich versuche, dieses Vertrauen an meine Mitmenschen weiterzugeben und freue mich, wenn ich Bestätigung erfahre. Mit Mißtrauen können und werden wir die Herausforderungen der Zukunft nicht bewältigen. Aktuelle Themen wie die Gesundheitsreform, die Rentenkrise, die Innere Sicherheit fordern von uns mutige, weitreichende, aber auch gerechte Entscheidungen. Nur mit Mut und Kraft werden wir diese Probleme bewältigen und mit Gottes Hilfe zu einem guten Ende bringen. "Des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit" zeigt die Größe Gottes und sollte uns Menschen das erforderliche Maß an Bescheidenheit vermitteln. Eine Rückbesinnung auf christliche Werte und Gottvertrauen stärken uns und unsere Gesellschaft. Gewalt hätte bei uns keine Chance, wenn wir uns an diesen Werten orientieren und wenn wir sie auch verstärkt in der Erziehung vermitteln.
Gott ist für mich auch Harmonie und Einklang mit der Natur. Wenn ich mit meiner Familie - leider selten genug - am Sonntag im Wiehengebirge spazieren gehe und den Gleichklang spüre zwischen uns und der Stille der Natur - auch dann fühle ich Gott. Gott ist für mich allgegenwärtig."

Q: "Was sagt mir 'Gott'?"- Antworten von Prominenten.
http://www.christ-in-der-gegenwart.de/aktion/wsgott/prominente/index_html?k_beitrag=555665

auch interessant: http://christian-wulff.de/_Christian-Wulff/politik/ziele.php

Montag, 28. Juni 2010

mitten im Leben

Gestern, nach Schichtende, sputete ich mich zur Zentrale meines Trägers zu kommen, denn den ganzen Nachmittag war die Tür geöffnet für Volontäre und Menschen, welche dem Träger oder dessen leitenden Personen nahe stehen, sich von Olga Unruh zu verabschieden. Olga ist in ihrer Zeit als zweite Leiterin in Jerusalem vielen ein Vorbild geworden. Sie brachte viel Liebe und Leidenschaft für ihre Arbeit mit und wird wohl ein Loch in der Einsatzstelle Jerusalem hinterlassen. Doch für sie fängt jetzt ein neuer Lebensabschnitt in Deutschland an und uns bleibt nur ihr alles Gute und Gottes Segen auf dem Weg zu wünschen.

Direkt im Anschluss an Gebäck und Getränken wurde die Leinwand aufgebaut und ich sah mich gezwungen, das Deutschalndspiel mitanzusehen. Das doch recht interessante und Tor-reiche Spiel versetzte meiner allgemeinen Apathie gegen Fußball einen herben Schlag und ich fing an, den einzigen England-Fan in unserer Runde, Walter Bingham, zu bemitleiden. Geboren in Karlsruher (alter Name: Wolfgang Billig) und der Shoa nach England (wo er dann zur Armee ging, mit welcher er dann in Deutschland als Rettungswagenfahrer an der Front diente) entkommen, weißt der symphatische Mann einen Schatz von Erfahrung und Erinnerungen auf. Bei der ersten Begegnung in einem unserer Hauskreise berichtete er aus seinem Leben und erzählte seine Spannende Lebensgeschichte (Lennart schrieb davon auf seinem Blog).

An diesem Abend, nach dieser schweren Niederlage für sein Team und seine Kinder, welche es ihm übel nahmen, dass er das Spiel im Kreise vieler deutscher Fans angeschaut hat, bekamen ich und Hagen, bei einem Bier in der Stadt und danach einem Kaffe in seiner Wohnung, einen Einblick in sein beachtlich aktiven Alltag. Der Journalist läuft stehts bewaffnet durch Israel und berichtet in seinem Internetradio-Programm über verschiedenste Themen. Er erzählte mir auch folgenden Witz: "Wer hat es leichter, Kaffe oder Tee?
- Der Kaffe, denn er setzt sich, aber der Tee mus ziehen." (Man muss dazu sagen, dass der für den Nahen Osten typische Kaffee einfach mit heißem Wasser in der Tasse getrunken wird, wobei sich der Kaffee dann absetzt).

Donnerstag, 24. Juni 2010

Seminar in Latrun

 Ich berichte jetzt, leicht verspätet, von einem weiteren Seminar meines Trägers, welches vom 07.bis zum 09. Juni in Latrun stattfand. Latrun, das bezeichnet einen Hügel am Rande des judäischen Berglandes zu der Ayalon Ebene. Dort gibt es ein Kloster von katholiken, die sich vorgenommen haben, nicht so viel zu quaseln und 3 Bäume weiter das Gelände der Jesusbruderschaft. In ihren Räumlichkeiten haben wir genächtigt, gegessen und z.T. unser Programm abgehalten. Das Seminar stand unter dem Vorzeichen, dass es das  letzte Seminar für einen sehr großen Teil der Volontäre sein würde. Wie das dann so üblich ist, erzählt jede Person dann, was ihr in der Zeit besonders wichtig geworden ist und wie es dann in Deutschland weitergehen wird.

Da ich meine Dienstzeit bis November verlängert hatte und es somit nicht mein letztes Seminar gewesen ist, blieb mir dies noch erspart. Jedoch haben mich viele der Erzählungen daran erinnert, was für ein Privileg ich genieße, hier in Israel, in Jerusalem leben und dienen ZU DÜRFEN, dass ich meine Motivation jeden Tag aufs neue bei der Arbeit prüfen sollte und meine Augen dafür öffnen lassen möchte, Gottes führende Hand in allem zu sehen.

Aber es gab auch unterhaltsame Beiträge der einzelnen Wohngemeinschaften zwischen den persönlichen Erfahrungsberichten.




Programmpunkt außerhalb der historisch zeugnisgebenden Räumlichkeiten der Jesusbruderschaft in Latrun war mitunter der Besuch des historischen Emmaus und den dortigen Katholiken.








Es gab viel Zeit zum Nachdenken, Bilanzieren und Beten sowie Geländespiele und Grillen (im Canada-Park)






Wie es bei solchen Seminaren immer der Fall ist, bekommen wir einen Überblick über die Geschichte der Landschaft, in welcher das Seminar stattfindet. Besonders nahegehend ist die Geschichte von vor 60 Jahren:
Die Straße zwischen Latrun und Castel war lange Zeit die einzige "Straße" von Tel Aviv nach Jerusalem und somit Lebensader für die in Jerusalem lebenden Juden. Mit der Verabschiedung des UN-Teilungsplanes für "Palästina" und dem danach ausbrechenden Überlebenskampf der Juden in Israel (auch Unabhängigkeitskrieg genannt), begannen die Menschen aus den arabischen Dörfern, welche sich auf den Hügeln neben der Straße (Bab el Wad) befanden, die Konvois für die Lebensmittelversorgung nach Jerusalem anzugreifen. Es gab Straßensperren und Hinterhalte, bei denen es innerhalb von 4 Monaten ca 1200 Tote gab. Verglichen mit dieser Blockade, gleicht die "Blockade" für den Gazastreifen einem goldenen Käfig.

Es wurde dann in Rekordtempo eine Umgehungsstraße gebaut, die sogenannte Burma Road
Bekannt wurde dann auch die von den Briten errichtete Polizeistation von Latrun, welche heute ein israelisches Panzermusuem ist. Hier waren die Kämpfe für die schlecht ausgetstatteten jüdischen Streitkräfte besonders schwer und blutig.
 
(Der Besuch des Museums war kein Teil des Seminarprogramms. Bild Rechts: Auf einem MK IV)

Am Ende des Seminars gab es natürlich auch wieder einen gemeinsamen Gottesdienst in der Kapelle der Jesusbruderschaft.

 ps: Die vielen schönen Bilder sind von Meister Hagen. Danke Hagen!

Mittwoch, 16. Juni 2010

Umfrageauswertung

Im Zeitraum eines knappen Monats haben 22 Besucher meines Blogs an einer Umfrage zum Leserinteresse auf meinem Blog teilgenommen. 22 ist jetzt keine berauschende Zahl und auch die Auswertung zeugt von einer gewißen Unzufriedenheit meiner Stammleser. 5 von 22 (22,7%) mögen sogar meinen Schreibstil nicht! Allgemein ist das Verlangen nach mehr persöhnlichen Erfahrungsberichten, nach politischen Beiträgen und Bildern am herrausstechendsten.
Da so eine Umfrage mit vordefinierten Fragen nicht das ganze Meinungsspektrum zu meinem Blog abdeckt, wurden mir auf dem Weg der elektronischen Post noch weitere Leserwünsche geäußert:

-Interviews von mehrfachen Selbstmordattentätern
-Wer wie was am Tempelberg rumgräbt
-Wie die israelischen Behörden Bauwerke anbaggern
-Ob man mit Chummus auch Häuser bauen kann
 

Zudem wurde danach gefragt, ob ein Live webcam-stream in der Volontärswohnung installiert werden kann.

(Die Personen hinter diesen Forderungen möchte ich aus Personenschutzgründen nicht nennen. Für diesen Blogeintrag nennen wir diese fiktive Person einfach mal N. de la Montana)

Die Wünsche von N. de la Montana sind durchaus begründet doch kann ich dessen Erwartungen in diesem Blog mit meinen Möglichkeiten nicht treffen. Für derart seriöse Fragen möge er sich doch bitte an Israel Heute wenden.

Ich dank allen Teilnehmern an der Umfrage für...... ihre Teilnahme.
Das Ergebnis der Umfrage bringt mich dazu, den/das Blog so weiterzuführen wie zuvor.


mfg aus Jerusalem

Montag, 14. Juni 2010

46. Woche (13. Juni – 19. Juni)

Blogeintrag in Anlehnung an Hendrik Buttkewitz:
Montag, 14.06.2010: Wir kamen abends zu einem gemeinsamen Mahl zusammen um vorzüglich zu speisen:

Montag, 31. Mai 2010

Eine Schiffsladung voll Lügen & Provokationen

Jetzt, da das Geschrei über das Verhalten Israels mal wieder unendlich groß ist, wird es Zeit für die Wahrheit. Auch wenn der Begriff "Wahrheit" vllt. nicht ganz angemeßen erscheint, denn ich berufe mich ja auch nur auf Quellen, kann man von einer erdrückenden Plausibilität sprechen, wenn ich sage, dass Israel zu Unrecht verurteilt wird!

Zu dieser Meinung kommt man, wenn man sich fragt:
1.) inwiefern so eine Aktion (sowohl die Flotilla als auch das Abfangen) nötig war und
2.) wessen Interessen hier verwirlicht wurden.


Es war überhaupt nicht Notwendig, eine extra Hilfslieferung zu starten denn Israel versorgt den Gazastreifen über Land mit Dingen, welche nicht in zu hohem Maße waffenfähig sind - aber davon ausreichend.
An dieser Stelle möchte ich einen Sprecher für die israelische Seite zu Wort kommen lassen:




Hingegen war die Abfangaktion von Nöten, denn die Besatzung & Leitung der Flotilla weigerte sich, die Hilfsgüter von Israel zuvor kontrollieren zu lassen, was den Verdacht hervorruft, dass es sich nicht nur um humanitäre Hilfsgüter handelt.
Dass man versucht, möglicht keine Waffen in den Gazastreifen zu lassen liegt daran, dass die Hamas in der Vergangenheit und Gegenwart regen Gebrauch von jenen zu machen versucht, mit dem Ziel möglicht viele Israelis (wahllos Soldaten als auch Zivilisten) zu töten.

Wir fassen zusammen:
Nein, diese Hilfslieferung musste nicht unter allen Umständen in den "bedürftigen" Gazastreifen gelangen und
ja, Israel ist gezwungen alle Lieferungen in den Gazastreifen zu kontrollieren. Da sich die Aktivisten diesen Maßnahmen nicht unterziehen lassen wollten, kam es dazu, dass israelische Sicherheitskräfte die Schiffe enterten um sie einen israelischen Hafen anlaufen zu lassen. Zu den Opfern ist es gekommen, da die Aktivisten (oder waren es doch Terroristen?) gewaltsamen Widerstand geleistet haben. Auch hatte Israel das Recht in der AWZ (bis 200 meter vor der Küste) zu intervenieren!

In wessen Interesse legte die Flotilla ab?
Nach eigenen Angaben ging es darum, die Blockade des Gazastreifens durch Israel (und eigentlich auch durch Ägypten) zu durchbrechen. Es wurde polemisiert und mit der Berliner Mauer verglichen. Doch diese "Blockade" ist die selbstverschuldete Isolation durch das Terrorregime der Hamas. Es gibt genug Beispiele in Israel für gelungene Integration und friedliches Nebeneinander, ohne Mauern und Zäune. Wenn man also die "Blockade" Gazas beenden möchte, muss man zuerst die Terroristen entwaffnen und sie zu einem Frieden mit Israel bewegen. Da es aber eher im Interesse jener liegt, Israel die Schuld für den Sicherheitszaun zu geben (anstatt sich selbst), mißbraucht man gutgläube linke Aktivisten und wohlwollende Islamisten, einen Zusammenstoß mit Israel zu verursachen.
Was bleibt ist, dass nun Israel die Hilfsgüter eigenhändig in den Gazastreifen bringt, die Aktivisten ausgewiesen werden und sich die int. Staatengemeinschaft maßlos über Israels "Maßlosigkeit" aufregt. Die Hamas hat bekommen, was sie wirklich wollte. Es ging also nur um Israel.
Zur Frage, ob all die Länder, welche sich jetzt so brüskieren, wirklich zu dumm sind, eins und eins zusammenzurechnen, oder ob sie sich freiwillig wie eine Prostituierte als Opfer der Islamistischen Propaganda hingegeben haben, bleibt dem Leser zu beantworten.

mfg aus Jerusalem

Donnerstag, 20. Mai 2010

Shawuot – Das jüdische Wochenfest




Es handelt sich bei Shawuot (bed. Wochen; andere Vokalisierung: Eide) um das wohl unbekannteste der drei Wallfahrtsfeste des Ersten Testaments (AT). Doch es ist ein von Gott festgelegter Zeitpunkt (nämlich 50 Tage nach Pessach) und eine Kombination aus Erntedankfest (bzw. Erstlingsgabenfest) und ein Freudenfest zum Gedenken an die Gabe der Thora (vgl. Simchat Tora; ein Feiertag reicht dafür wohl nicht aus). In 3. Mose 23 und 5. Mose 16 wird dieses Fest und was man an diesem macht, ausdrücklich von Gott geboten. Was Gott nicht geboten hat, sich aber als Tradition entwickelt hat, ist, dass allerlei (z.T. süße) Milchspeisen verschlungen werden (Käsekuchen etc.). In der Synagoge liest man das „Buch“ Ruth und man studiert die ganze Nacht die Thora. Interessant ist, dass man im Talmud (in beiden) kaum etwas zu diesem Fest liest. Das soll wohl daran liegen, dass dieses Fest sehr messianisch bzw. charismatisch ist: Man studiert das Wort Gottes die ganze Nacht und wird nicht müde. Wenn man länger sucht, findet man jedoch eine Geschichte im (Jerusalemer) Talmud, die davon berichtet, dass beim Studieren der Thora sich feurige Zungen auf die Köpfe der Lesenden setzten (Chagiga).
Wir Christen nennen dieses Fest „Pfingsten“ und es stellt für uns den Geburtstag der Gemeinde dar.
Mehr zu Shawuot >>hier<<

Freitag, 14. Mai 2010

Jom Jerushalaym

Anlässlich des 43. Jahrestages der Wiedervereinigung Jerusalems (im sechs Tage währenden Verteidigungskrieg Israels 1967) wurde mal wieder gefeiert. Insbesondere die Straßen Jerusalems waren voll mit fröhlich tanzenden Menschen.

Weil ich jetzt nicht weiß, was ich noch so weltbewegendes schreiben soll, zitiere ich einfach aus einer Rede des Ministerpräsidenten Netanyahus an diesem Tag:

„Es kann keine Gerechtigkeit geben ohne Wahrheit. Wenn die Gerechtigkeit in Bezug auf unser Volk und unsere Stadt verzerrt wird, dann geschieht dies unter Verzerrung der Wahrheit. Und die Wahrheit ist, dass Jerusalem der Augapfel unseres Volkes ist. Wir haben eine unzertrennbare Verbindung zu ihm. Jahrtausende, dreitausend Jahre. Niemals, niemals haben wir die Verbindung aufgegeben. Wir haben sie nicht aufgegeben, als der Tempel zum ersten Mal zerstört wurde, wir haben sie nicht aufgeben, als der Tempel zum zweiten Mal zerstört wurde, auch danach haben wir diese Verbindung nicht aufgegeben. Sechzig Jahre nach der Zerstörung des zweiten Tempels stand das Volk Israel auf und kämpfte erneut, und auch damals haben wir nicht aufgegeben.

Auch nach der dritten Zerstörung, keiner Zerstörung des Tempels, haben wir nicht aufgegeben. Wir haben weiter an Jerusalem gehangen und Zion im weitesten Sinne des Wortes aufgebaut. Drücken sich doch das ganze Land und das ganze Volk mit diesem Wort ‚Zion’ aus, mit diesem Begriff. Wir haben nicht aufgegeben!
[...]
Nicht ein Jahr verging, nicht ein Tag in unserem Exil, an dem wir nicht sagten ‚Nächstes Jahr in Jerusalem’. ‚Nächstes Jahr in Jerusalem’.  Ganz gleich, ob es im 10. Jahrhundert, im 11. Jahrhundert oder im 12. Jahrhundert war. Und diese Sehnsucht nach Jerusalem zurückzukehren und dort zu leben und Jerusalem aufzubauen und in Jerusalem erbaut zu werden, begleitet das Volk Israel seit 2000 Jahren – und Mitte des 19. Jahrhunderts stellten wir wieder die Mehrheit in dieser Stadt, in unserer Stadt, und seitdem bauen wir.

Wir vertreiben niemanden, wir räumen niemanden weg, denn der zweite Teil der Wahrheit ist, dass kein Volk die Verbindung hat, die das Volk Israel zu Jerusalem und Zion hat. Aber es gab auch kein anderes Volk, das den anderen Religionen die Freiheit der Religionsausübung und den freien Umgang zu den heiligen Stätten gewährt hat außer dem Volk Israel. Als wir unseren Anspruch auf alle Teile der Stadt erneuerten, erneuerten wir auch die Religionsfreiheit und ermöglichten den Angehörigen anderer Glaubensrichtungen, unter israelischer Herrschaft zu beten und gemäß ihrem Glauben zu agieren.

Ich sage das alles, da versucht wird, uns als fremde Eindringlinge darzustellen, als Besatzer, als Volk, das keine Verbindung zu diesem Ort hat; und man kann sagen: Kein anderes Volk hat solch eine Verbindung zu seiner Hauptstadt wie das jüdische Volk zu Jerusalem.“
>>Rede in voller Länge<<

Montag, 10. Mai 2010

Lag Ba'Omer

Q: israelnetz.com


"JERUSALEM (inn) - Am Sonntag[09.05.2010] ist das jüdische Fest "Lag Ba´Omer", das eine 49-tägige Trauerzeit zwischen Pessach und dem Wochenfest unterbricht. Viele Israelis begehen den Tag mit Lagerfeuern, an denen sie Kartoffeln braten.

"Omer" ist der hebräische Ausdruck für "Garbe". In 3. Mose 23,9-16 steht: "Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, und es aberntet, so sollt ihr die erste Garbe eurer Ernte zu dem Priester bringen… Danach sollt ihr zählen vom Tage nach dem Sabbat, da ihr die Garbe als Schwingopfer darbrachtet, sieben ganze Wochen… nämlich fünfzig Tage, sollt ihr zählen und dann ein neues Speiseopfer dem Herren opfern." Am Passahfest erinnert sich das Volk Israel also nicht nur an den Auszug aus Ägypten. Pessach ist auch ein Erntedankfest.

Vom zweiten Tag des Passahfestes an werden 49 Tage gezählt, bis am 50. Tag Schawuot, das Wochenfest beginnt. Vom griechischen Wort für "50" ist übrigens die Bezeichnung für das christliche "Pfingstfest" abgeleitet. Die hebräischen Buchstaben Lamed und Gimel haben gemeinsam den Zahlenwert 33, nacheinander ausgesprochen ergeben sie "Lag". "Lag Ba´Omer" ist also der 33. Tag der Omer-Zählung.

Lagerfeuer in Parks und am Straßenrand

Zu den Kindheitserinnerungen eines jeden Israeli gehört der Geruch von Feuer und gebratenen Kartoffeln genauso, wie das Bild von Dutzenden riesiger Feuerstellen unter dem unendlichen Sternenhimmel. Am Vorabend des Halbfeiertages "Lag Ba´Omer" - in diesem Jahr ist das der Abend des 1. Mai - entzünden Juden in ganz Israel, in den Parks und in der Natur, aber auch am Straßenrand oder auf unbebauten Grundstücken, Lagerfeuer und braten Kartoffeln. Manche feiern mit Freunden, andere Feuerstellen werden von Schulklassen betreut. Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge sind allgegenwärtig, um schlimme Folgen der Feiern rechtzeitig abzuwenden.

Wie Lag Ba´Omer zum "Lagerfeuerfest" wurde, ist unklar. Verschiedene Traditionen werden mit dem 33. der Omer-Zählung in Verbindung gebracht. Manche wollen mit dem Lagerfeuer an den Bar-Kochba-Aufstand gegen die Römer (132-135 nach der Zeitrechnung) erinnern. Die aufständischen Juden hatten sich damals Nachrichten per Signalfeuer von Berg zu Berg vermittelt.

Pilgern zum Berg Meron

Kabbalisten datieren den Todestag von Rabbi Schimon Bar Jochai auf Lag Ba´Omer. Alljährlich versammeln sich deshalb Hunderttausende orthodoxer Juden am Berg Meron in Galiläa, wo er der Tradition zufolge beerdigt wurde. Dort findet ein riesiges Festival statt, auf dem viel getanzt und gesungen wird.

Die Omer-Zeit ist für das jüdische Volk eher eine traurige Erinnerung an die brutale Verfolgung durch die Römer. Auch der berühmte Rabbi Akiba und viele seiner Jünger wurden zur Zeit der Omer-Zählung ermordet. Einer anderen Überlieferung zufolge sollen 24.000 Torah-Schüler in dieser Zeit einer Epidemie zum Opfer gefallen sein, weil einer den anderen nicht genügend geachtet hatte. Deshalb wird während der Omerzählung eine Trauerzeit eingehalten, während der orthodoxe Juden ihr Äußeres vernachlässigen und keine Hochzeiten gefeiert werden.

Am 33. Omer soll dann aber das "Studenten-Sterben" aufgehört haben. Deshalb wurde dieser Tag im Mittelalter zum Tag der jüdischen Studenten. Bis heute feiern die Studenten Israels Lag Ba´Omer als ihr Fest. Nach einer Auslegung des 2. Buches Mose, Kapitel 16, von Moses Sofer fiel an diesem Tag zum ersten Mal Manna vom Himmel.

Auf jeden Fall werden am 33. Tag der Omer-Zählung die Trauerzeit und alle mit der Trauer verbundenen Sitten und Gebräuche unterbrochen. An Lag Ba´Omer darf man sich Bart und Haare wieder schneiden, und Hochzeiten können stattfinden. Deshalb ist dieser Tag in Israel als Hochzeitstag sehr beliebt. Und deshalb schneiden orthodoxe Juden an Lag Ba´Omer am Meron in einer feierlichen Zeremonie ihren dreijährigen Jungen zum ersten Mal die Haare. Orthodox-jüdische Buben unter drei Jahren sind von Mädchen nicht an der Frisur zu unterscheiden, sondern nur an der Kleidung. Die Mädchen tragen natürlich Röcke und Kleidchen, die Jungs Hosen.


Vom Vorabend des 16. Nissan, des zweiten Pessach-Tages, an wird zu Hause und in den Synagogen an jedem Abend "Omer" gezählt. An Wochentagen wird Omer kurz nach Sonnenuntergang, mit Beginn des neuen Tages, an Feiertagen kurz vor Sonnenuntergang im Stehen und mit einem Segen gezählt. Falls jemand am Abend das Zählen vergessen hat, darf er es am nächsten Tag nachholen, dann aber ohne Segensspruch."
Von: K. Gerloff

Chamsin (oder Sharav)

Jerusalem erlebte heute Nachmittag gegen 4 mal wieder einen Chamsin.

          Chamsin, was ist denn das???

Der gemeine Chamsin (nicht zu verwechseln mit Chumus, einem schmackhaften orientalischen Brotaufstrich) fühlt sich an, als hätten sich das Ost- und West-Sandmännchen verbündet um sich gemeinsam an einem dafür zu rächen, dass man als Kind immer so lange aufgelieben ist. Tatsächlich handelt es sich aber nur um einen Wü
stenwind, welcher typisch für den Wetterumschwung im Frühling ist.


       

Wie erkenne ich einen Chamsin???

Das sich ein Chamsin anbahnt erkennt man daran, dass ein heißer Wind weht, während die Sonne hinter einer Wand aus Staub in Deckung geht. Die Sicht beschränkt sich auf einige hundert Meter und in wenigen Minuten ist es soweit. Jener heiße Wind weht einem dann eine Mischung aus Wüsten- und Baustellenstaub ins Gesicht, sodass man die Augen nicht zu öffnen wagt. Der Wind peitscht den Staub förmlich durch die Luft, was sich anfühlt, als würde man mit einem Igel kuscheln. Alles, was man essbares in den Händen hält fängt an zu Knuspern. Hier ein paar Beispiele:
Falafel - knuspert
Schokolade - knuspert
Eis - bekommt ein extra knuschpriges Topping
Pommes - knuspert
Kecks - knuspert :)
kurz um - alles knuspert


Es dauert nicht lange und der Chamsin hat sich verknuspert, aber das Peeling bleibt.