Für manchen Leser mag die Frage in seinem Kopf aufgekommen sein, warum ich über alle wichtigen
jüdischen Feiertage berichtet, nur noch nichts zum
Schabbat geschrieben habe. Diese Frage habe ich mir jedoch auch schon gestellt und ebenso keine Antwort gefunden, weshalb ihr jetzt aufhören könnt, euch das zu fragen. Ein anderer Grund, warum ihr euch nicht mehr um diese Frage kümmern müsst, ist der, dass ich jetzt die Absicht habe, etwas zum
Schabbat zu schreiben.
In einem jüdischen Haushalt werden die letzten Vorbereitungen Freitag Nachtmittag getroffen: Das Essen wir zubereitet und dauerhaft bis Samstag warm gehalten. Es wird geputzt, gereinigt und die letzten Dinge eingekauft, denn am Shabbat werden keine Geschäfte abgeschlossen. Für das rabbinische Judentum beginnen die Regelungen für Schabbat schon vor dem Sonnenuntergang am Freitagabend. Insgesamt gibt es viele Regeln was zu tun und zu lassen ist, wobei dass
Verbot immer schwerer wiegt als das
Gebot. Häufig gehen die Männer in die Synagoge um den Schabbat-Eingang zu begehen während die Frauen zu Hause den Tisch decken und die Kerzen anzünden (spätestens 18 Minuten vor Sonnenuntergang. Lokale Zeiten
>>hier<< einsehbar ). Für fast alles in diesem Vorgang gibt es einen Segensspruch, der damit beginnt, dass man Gott lobt und ihn für das jeweilige Gebot dankt.
Beispiel:
Segen über die Schabbat Kerze
Barukh attah Adonai eloheinu melekh ha-olam,
asher kideshanu bemitzvotav ve-tsivanu l'hadlik
ner shel shabbat.
Gelobt bist du, HERR, unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt hat mit seinen Geboten und uns Geboten hat die Schabbat-Kerze zu entzünden.
Die Ordnung (Siddur) für den Schabbat-Empfang (Kabalat Schabbat) in der Synagoge läuft folgendermaßen ab:

-Psalm 95-99, 29 (teilweise gesungen, teilweise still gebetet oder laut gesprochen)
-Lied „Lecha Dodi“ >>>>>>>>>>>
(der ganze Text mit transliteration
>>hier<<)
-Psalm 92 + 93
-Abendgebet des Schabbat
(enthält Danksagungen und Bitten für Umkehr,
Heilung, Rückkehr nach Israel, Ankunft des Messias
und die Wiederherstellung des Tempels und dessen
Gottesdienstes, Frieden, etc.)
Das klingt zwar wie ein Nachtprogramm, jedoch ermöglicht die jahrhundertelange Übung ein Lesen und Singen mit einer Geschwindigkeit, die es einem Außenstehenden nur schwer möglich macht, Schritt zu halten und dem geübten Synagogengänger nach ca. 1 ½ Stunden wieder bei seiner Familie zu sein.
Zuhause angekommen beginnt dann der familiäre Teil des Schabbatabends:
-Lied „Schalom Aleichem“ (Man heißt die Engel des Schabbats willkommen)
-Lied/ Spruch „Lob des Hausfrau“, Sprüche 31
-Segen über den Wein
-Hände waschen – natürlich nicht ohne Segensspruch….
-Segen über das Brot (2 Leibe „Challa“ – als Erinnerung an die 2 Gesetzestafeln und daran, dass man am Freitag die doppelte Menge an Manna sammeln dufte )
Dann wird gegessen. Der große Teil des Tischgebets folgt nach dem Essen, wenn alle zu viel gegessen haben um wegzulaufen ;)
Nein, ernsthaft. Es handelt sich um ein wunderschönes Gebet des Dankes mit der Bitte um Jerusalem, Wertschätzung für Frau und Familie, etc.
Damit endet der Zeremonielle Teil des Freitagabends. Wie an jedem Wochentag gibt es am Schabbat morgens, mittags und abends Gebete, wenngleich sie am Schabbat leicht verändert sind.
Die Bedeutung des Schabbats, aus jüdischer Sicht und ganz prinzipiell biblisch gesehen, ist sehr vielschichtig. Schabat bedeutet Gott „sitzt“ und regiert. Der Mensch hat einen Tag für Gott und seine Familie, und bekommt einen Vorgeschmack auf die Ewigkeit bei Gott. Schabbat ist die Grundlage für alle anderen Feste des HERRN und verbindet den Anfang mit dem Ende. Doch schauen wir uns das einmal genauer an.
Im ersten Schöpfungsbericht (Gen 2,2ff) lesen wir von Gott, dass er „ruhte“. Das Wort (וישבת) kommt von der Wurzel (ש ב ת) und ist damit mit dem Schabbat (ebenso שבת ) rein lexikalisch schon verbunden. Schäwät, eine weitere Vokalisierungsmöglichkeit der Wurzel „Schabat“, bedeutet übersetzt „(das) Sitzen“ oder „Herrschaft“. Gott schuf durch sein Wort (vgl. Johannes 1) und „setzte sich“, er regiert. Aus Apostelgeschichte 2,33-25 (bzw. Ps110) wissen wir, dass diese Herrschaft Jesus übergeben wurde und einst in dieser Welt sichtbar sein wird. Der Schabbat ist der 7. Tag. „Sieben“ (hebräisch שבע) ist mit der Wurzel des Wortes „schwören“ verbunden. Gott bekräftigt seine Aussagen mit dieser Zahl durch die ganze Bibel hindurch.
Der Schabbat ist zudem das Zeichen für den Bund Gottes mit Israel am Berg Sinai (Ex 31,14ff). Ihn zu bewahren und zu heiligen ist Teil der Zehn Gebote und wird immer wieder als ein solches in den 5 Büchern Moses beschrieben. Mehr noch, ich wage gar zu sagen, er gehört zum Wesen Gottes (siehe Kol 2,17).
In seiner prophetischen Bedeutung der Versöhnung und Wiederherstellung ist der Schabbat mit allen anderen Festen des AT verbunden. Er ist das Ziel! In Kolosser 2,16ff lesen wir zudem, dass jene Feste ein „Schatten“ auf zukünftige Dinge sind, doch damit möchte ich mich ein andermal beschäftigen…
Es gibt alle 7 Jahre ein Schabbatjahr.
Alle 7x7+1 Jahre ist das Jubel- oder Erlassjahr, auf dessen tiefer Bedeutung ich hier auch nicht eingehen möchte.
Beide aber, das Schabbatjahr und das Erlassjahr, sind mit der Vorstellung des Schabbats verbunden und lehren uns Vertrauen auf Gott: Damals in einem Land, in welchem man auf Regen angewiesen war (und ist) wie sonst kaum auf der Welt, sowie heute, wo sich Berge des Essens in den Supermärkten vor unserer Haustür türmen.
Fassen wir zusammen. Der Schabbat ist:
1. -zur Erinnerung an die Schöpfung als Grundlage aller bibl. Lehre (Ex 31,12ff)
2. - ein Tag um Gottes Wort zu studieren (Deut 6,4ff)
3. - lehrt Gott zu vertrauen
4. -ein Vorgeschmack auf die Ewigkeit (Off 22)
Der geneigte Leser darf sich jetzt noch fragen, was er so sinnvolles nächsten Samstag bzw. Sonntag vor hat und überlegen, ob er vllt. ein schlechtes Gewissen haben sollte......