
Man möchte denken, es sei Karneval oder Halloween, wenn man die verkleideten Kinder (und Erwachsenen) sieht, welche fröhlich dieses Fest begehen. Doch es ist ein biblisches Fest. Zwar keines aus der Thora (den 5 Büchern Moses) - also nicht von Gott verordnet - doch zwingt Dankbarkeit die religiösen Juden zum Gedenken an das rettende Eingreifen Gottes vor knapp 2500 Jahren. Wer nicht gerne ließt möge folgende Zusammenfassung zur Kenntnis nehmen: „Jemand hat versucht alle Juden umzubringen, das hat nicht geklappt, jetzt lass uns feiern gehen!“
Für alle anderen sind hier ein paar Hintergrundinformationen:
Die Geschichte von den Losen, die so entscheidend waren, finden wir in der Bibel, im Buch Esther (sehr klein, in der christlichen Bibel zwischen Nehemia und Hiob). In diesem Buch taucht nicht einmal eine Bezeichnung Gottes auf, jedoch trägt es seinen Fingerabdruck, seine Handschrift prägt den Verlauf und Ausgang der Geschichte.
Also im Zeitraum von 474 bis 486 v.Chr. wurde die Jüdin Hadassa „unerkannt“ mit dem Namen Esther Königin des damaligen Weltreichs, Persien. Hamman, ein hoher Beamte vom König(Xerxes oder Ahaschverosch) und ein Nachfahre der Amalekiter (Esther 3,1), lies die Lose werfen um den Tag zu bestimmen, an dem alle Juden in allen 127 Provinzen des Reiches umgebracht werden sollten. Wie er dazu kam, lese man am besten selber nach.
Bibelgeschichtlich liegt diese Geschichte zwischen der Rückkehr der Juden aus dem Exil mit Serubbabel (ca. 540 v.Chr.) und Esra (ca. 460 v.Chr.)[dazu auch lesenswert Daniel 9; Jeremia 25; Esra; Nehemia, Haggai, Sacharja, Maleachi …. lies einfach mal die ganze Bibel).
Es gab zu dieser Zeit also eine Rückkehrbewegung der Juden nach Israel. Jedoch hatten sich einige Exilanten mittlerweile recht gut im Medopersischen Reich assimiliert, waren zu Wohlstand und guten Positionen gekommen. Sie verstellten sich z.T. um nicht als Juden aufzufallen.
Rabbi Lubavitch bemerkt: „Hamans Hass ist Gottes Strafe für die Assimilation der Juden, d.h. ihr Nichteinhalten der Thora. Haman zwingt die Juden zum Verlassen ihres Glaubens. Mordechai nimmt die Maske ab und begeht innere Kehrtwende. Esther bewahrte ihre Seele und gewann ihr Volk.“
Gott handelt und wendet das Unglück von seinem Volk ab.
Weil die Geschichte auch recht spannend ist und ihr sie selber lesen sollt, höre ich an dieser Stelle auf, sie wiederzugeben.
Tradition & Bräuche von Purim:
Purim ist also das Gedenken an Errettung des jüd. Volkes vor der Vernichtung, ein Symbol für das Durchhalten & Überleben und ein Freudenfest. Am Vortag wird gefastet, an das Fasten von Mordechai, Esther und allen Juden erinnernd. Am 14. Adar ist dann überall auf der Welt Purim, nur nicht in Jerusalem, da ist es einen Tag später (weil sich die Juden in Schuschan, der Hauptstadt Persiens, einen Tag länger verteidigen durften, Esther 9,13). Dieses Jahr fällt Purim auf den 28.02.2010.
Am Vorabend Purims wird das Buch Esther (bzw. die Rolle) zweimal gelesen.
Beim Lesen wird folgendes praktiziert: immer wenn der Name Haman erwähnt wird, wird laut gerasselt, dass man ihn nicht hört (Grund ist die Name-Sach-Einheit im jüdischen Verständnis)

Wenn der Name Mordechai gelesen wird, wird gepfiffen, und bei Esther werfen die Frauen häufig Süßigkeiten zu den Kindern.
Es gibt Esther-Spiele (wie z.B. das Krippenspiel zu Weihnachten). Kinder und jung gebliebene verkleiden sich außerdem und Erwachsene trinken viel Wein. Der Brauch mit den Masken erinnert daran, dass sich die Juden damals verstellt (assimiliert) haben und auch daran, dass Gott versteckt gehandelt hat. Man beschenkt Bedürftige und schickt sich gegenseitig Lebensmittel zu (Mischloach Manot, s. Esther 9,22ff).
Typisches Purim Gebäck sind die Hammanohren (Rezept hier).

Die Botschaft(en) der Geschichte
1) Hamman war ein Nachfahre Aggags, der König der Amalekiter. König Saul sollte die Amalekiter vollkommen Ausrotten (1.Samuel 15), was er nicht tat. Er ließ den König am Leben und dieser Hamman ist ein Nachkomme genau dieses Königs Aggag. Die Moral aus der Esther-Geschichte ist also, dass dein Ungehorsam heute, das Monster von morgen erschafft.
Gott handelt. Auf welcher Seite stehst du?
2) Als bekannt wurde, was Hamman geplant hatte sagte Mordechai zu Esther folgende Worte: “(Est 4:13)Bilde dir ja nicht ein, daß du vor allen Juden entrinnen werdest, weil du in des Königs Hause bist! Denn wenn du unter diesen Umständen schweigst, so wird den Juden von einer andern Seite her Trost und Rettung erstehen, du aber und deines Vaters Haus werden umkommen. Und wer weiß, ob du nicht um dieser Umstände willen zum Königtum gekommen bist?„
Gott handelt. Auf welcher Seite stehst du?
3) Die Art und Weise, wie Hamman in Esther 3,8 zum König spricht erinnert an die Art und Weise Satans (im Paradis): Er vermischt Tatsachen mit Lügen. Henri-Frédéric Amiel sagte einmal: „Ein Irrtum ist umso gefährlicher, je mehr Wahrheit er enthält.“ Das Problem mit der Ersatztheologie in der Kirchengeschichte & Heute ist, dass sie einen heiligen Anschein hat.
Die Geschichte von Esther lehrt uns einen sensiblen Umgang mit der Wahrheit, mit dem Wort Gottes, gerade auch in Bezug auf Gottes Volk. Jeder Versuch der Vernichtung Israels, sei es ihrer Existenz oder ihres Stellenwertes in Gottes Wort ist ein Kampf gegen Gott selbst.
Gott handelt. Auf welcher Seite stehst du?
4) An Ahmadinejad und alle Antisemiten auf der Welt:
Jeder Plan, die Juden zu vernichten, führte zu einem neuen jüd. Feiertag. Die Juden sagen: Danke, wir haben genug Feiertage!
Gott handelt. Auf welcher Seite stehst du?