Dienstag, 12. Januar 2010

"kurzer" Zwischenbericht

Liebe Freunde & Familie & Leute, die den Blog zufällig gefunden haben,

Mein letzter Rundbrief ist ein bisschen kurz geworden und deshalb möchte ich noch so ein paar Zeilen schreiben:


Arbeitssituation

Ich fühle mich hier sehr wohl und arbeite gerne in meiner Einrichtung. Ich spüre oft die Dankbarkeit, sowohl der Bewohner als auch von der Hausleitung. Diese findet Ausdruck in Gesten wie einer riesigen Neujahrstorte
oder netten Worten.
Die Arbeit kann oft sehr anstrengend sein – das darf sie aber auch. Ich fühle mich auch nicht überfordert oder alleingelassen. Man investiert viel und bekommt oft noch mehr zurück. Ich denke sogar darüber nach, um 3 Monate zu verlängern, aber darüber muss ich noch ein paar Nächte schlafen. Das wäre auch schon wieder so ein Gebetsanliegen, nämlich für Gottes Wegführung.

Seminar in der Jerusalemer Altstadt

Vom 08. bis zum 10. Januar gab es für uns Volontäre von „Dienste in Israel e.V.“ wiedermal ein Seminar. Diesmal im Österreichischen Hospiz in der Altstadt Jerusalems, genauer, im muslimischen Viertel, wo uns 5 mal am Tag durch Lautsprecher (laut und deutlich) von überall verteilten Türmchen (sognannte Minarette) auf Arabisch zu gesungen wird, dass man sich doch gefälligst dem Gott des Koran beugen soll, der ja bekannte maßen größer sei.
Die ersten zwei Einheiten (am Freitag) handelten von der Geschichte Jerusalems und des Tempelberges, zudem hatten wir einen „Schnellkurs“ in Kirchengeschichte. Zuvor jedoch erzählte uns ein Armenier von der Armenisch Apostolischen Kirche und den Problemen in der armenischen Geschichte und Gegenwart.
Am Samstag kam ein Benediktinermönch, der sich sehr auskannte mit den Kirchen des Ostens und gab uns einen Überblick über diese. Dann besuchten wir eine syrisch orthodoxe Kirche - eine orientalische Kirche, die Stolz darauf ist, wohl sehr ursprünglich zu sein, z.B. in Bezug auf ihre Sprache: Aramäisch, die Alltagssprache Jesu und der Jünger. Später kam dann ein Priester dieser Kirche und gab uns einen Einblick in die Geschichte und Liturgie jener.
Abends gestalteten einige Volontäre dann einen Gottesdienst in dem Kirchgebäude der hl. Anna. Die Akustik in diesem Kirchgebäude, welches auf dem Haus der Eltern von Maria stehen soll, war beim Singen beeindruckend, beim Reden störte der Hall aber eher.
Am Sonntag, dem letzten Tag des Seminars besuchten wir das Tempelinstitut, welches alle möglichen Vorbereitungen für die Wiederaufnahme des Gottesdienstes im nächsten Tempel trifft (z.B. Gegenstände wie den Schaubrottisch oder den Tempelleuchter herstellt). Auch einen Besuch wert.
Damit endete das Seminar.

Am 11. Januar habe ich einen Bewohner der Einrichtung ins Fußballstadion begleitet. Ich bin nach wie vor kein Fußballfan, doch die Stimmung bei so einem Spiel ist einmalig.

Am 12. Januar fand eine Ehrungsveranstaltung im Kibbuz Ramat Rachel (unweit von Gilo) für alle ausländischen Volontäre statt. Das Programm war auf Englisch und Hebräisch, hätte aber eigentlich auch auf Deutsch sein können, denn die meisten Volontäre (anwesend, sowie allgemein im Land) waren aus Deutschland.
Uns wurde von einigen hohen Personen und Stellungen aus Gedankt.
Das wär aber gar nicht nötig gewesen.


Soweit mein Zwischenbericht. Ich danke für alle Briefe und Unterstützung.
mfg aus Jerusalem

Dienstag, 5. Januar 2010

Gedanken zum 21. Lebensjahr

Der Wechsel ins Jahr 2010 und mein Erwachsen kam schnell und noch schneller hatte ich es hinter mir.
Die Erwartungen, die man für das Volljährigsein doch insgeheim gehegt hatte (z.B. keine Pickel mehr zu bekommen) haben sich nicht erfüllt. Zu dumm.

Höchste Zeit zum Bilanzieren des vergangenen 21/100 Jahrhundert:
Ich blicke zurück auf eine liebevolle Erziehung durch meine Eltern. Mit viel Geduld schufen sie eine positive Assoziation zum Wort Eltern und das Wort „himmlischer Vater“ als Superlativ ihres Andenkens.
Auch meine Oma ist mir ein großes Vorbild: Mit Geduld und Liebe wartete sie auf ihre Befreiung, angesichts willkürlich handelnder sowjetischer Soldaten bei der Zwangsarbeit in Sibirien und bewahrte SEIN Zeugnis.
Ich blicke auf eine Zeit zurück, in der ich (in der Schule und in der Jungschar) den Anschein gab, als hätte ich diese Art von Vorbildern nicht gehabt. Es ist Gottes Gnade, wenn Menschen sich ändern.
Ich kann nicht anders als an dieser Stelle Gott zu danken und zu bezeugen, dass er führt. Seine Wege sind vollkommen und seine Pläne nicht vereitelbar. „Er macht auch mit krummen Stäben grade Schläge“ (Zitat Papa). Er weiß um alles, was ich brauche, wenn ich es nicht einmal gedacht habe. Er weiß um all mein Versagen, und doch weicht seine Gnade nicht einen Moment von mir. Er antwortet (auf seine Weise) mir und lässt sich finden. Er arbeitet an mir und weist mir seinen Weg.
Gott hat meines Herzenswunsch erfüllt: ich bin in Israel und lerne Hebräisch.
Ich weiß nicht, wo ich anfangen und aufhören soll….
Er ist der Anfang und das Ende meines Lebens, der Beginner und Vollender meines Glaubens. Ich sehe den roten Faden seines Handelns in der Geschichte und jeden Tag in meinem Leben. Wie ein Kinderlied treffend sagt: „Er hält die ganze Welt in seiner Hand“; so auch alle meine Tage. Nichts ist ihm Verborgen und trotzdem liebt er mich. Wie irrational diese Worte und Gefühle sind, so ein unergründlicher Reichtum sind sie für den, der es begreifen kann.

Kann man 21 Jahre besser und kürzer Zusammenfassen? Hmm…. In einem tabellarischen Lebenslauf vielleicht. Ich frage mich, warum ich meine eigene rhetorische Frage beantworte. Damit mache ich doch alles kaputt. Ich höre jetzt besser auf zu schreiben...