Mittwoch, 22. September 2010

Aktion "Postkarten für Carepakete"

Wir, die deutschen Volontäre im Ilan (d.h. Kyrill, Aaron, Eduard, Simeon und ich), starten die Aktion "Postkarten für Carepakete". Um das "Wie" und "Wieso" zu klären, zitiere ich Aaron, der sich auf seinem Blog die Mühe gemacht hat, dieser Aktion eine humoristische Note vorausgehen zu lassen. Bitte nehmt die Satire nicht zu ernst, unser Anliegen hingegen schon:

"Das Schlemmerdilemma
Freue dich nicht auf den Sonntag. Der jüdische Montag müht sich – gleichsam dem westlichen Pendant – sich möglichst mühsam zu gestalten. Und er kennt seine Waffen.
Die Arbeit macht einem willigen Volontär nicht zu schaffen. Der Sonntag setzt an, wo jeder empfindlich ist. Nimmt das, was jeder liebt: Gutes Essen!
Wer es nicht liebt ist so bedauernswert, dass der Sonntag mit müdem Unverständnis über ihn hinwegsieht. Ich stell mich ihm in den Weg, bin nicht zu übersehen. Er greift an.
“Reis als Beilage?”, denke ich, “Lieber Sonntag, so wird das nichts. Bei Reis macht selbst die Großküche keine groben Fehler.”
Okay, er ist ein wenig körnig, aber das stört mich nicht so sehr. Nicht so sehr wie das… Was ist das?
An dieser Stelle beachte man bitte die sorgfältige Betonung jedes einzelnen Wortes. Man stelle sich meinen Blick vor: Er ist auf eine undefinierbare Masse gerichtet, die die Küchenhilfe liebevoll in den Reis geklatscht hat. Die Augen sind derart aufgerissen, dass die Iris im Verhältnis zum Augapfel auf die Größe eines mathematischen Punktes schrumpft.
Einst sagte man mir, es sei Gemüse. Mit der Farbe blutigen Sauerkrauts und der Form von Speisen, die auf komplizierterem Weg den Körper verlassen hatten. Wenn in dieser Masse jemals etwas Gesundes zu finden war, dann ist es jetzt tot.
Die Küchenhilfe ergänzt weiter eine Frischfrikadelle, die mit Fisch in etwa so viel zu tun hat wie der Fishmac im Ammenmärchen. Ein weiterer Fisch sieht nur von oben genießbar aus.
Mutig schiebe ich mir eine Gabel in den Mund. Sie führt beim ersten Mal Reis mit sich – und ein wenig des damit vermengten Gemüses. Der Nachgeschmack erinnert an Erde. Nicht, dass ich besonders oft Erde essen würde, aber er erinnert an sie. An faule Erde. Und woher auch immer der Geschmack gekommen ist: Er ist gekommen um zu bleiben.
Sollte sich mein Deutschlehrer noch unter meiner Leserschaft befinden, so wird es ihm sicher aufgefallen sein: Ich arbeite in diesem Artikel bewusst mit Übertreibungen. Ich möchte jedem einbläuen, wie gräulich die Lage ist und das alles anhand dieser einen Situation. Natürlich bin ich auch zu anderer Zeit ähnlich bedauernswert – das soll sich in die Köpfe schleichen.
Nach dieser manipulativen Anekdote soll nun folgender Teil des Beitrags wie alleinstehend betrachtet werden. Vielleicht wird das Jahr mich in dieser oder jener Hinsicht verändern – ein gesundes Maß an Dreistigkeit werde ich nicht ablegen.


Um den Kontakt nach Deutschland zu erhalten und nicht zum Judentum zu konvertieren, skype ich gern mit Freunden und Verwandten. Manchmal verwirren mich diese eher, anstatt meine Ansichten zu festigen. Fast immer aber laufe ich in die Küche, um kurz darauf das berühmte “Sliced Dark Bread” zu präsentieren. Es handelt sich dabei um eine luftige Verbindung von Mehl und Wasser, die sich ohne Probleme auf ein Zehntel seiner natürlichen Große reduzieren lässt.
Wenn man während dieser Skype-Sitzungen fragt, was ich denn vermisse, folgt die Antwort promt: Das gute deutsche Essen. Ich glaube es gibt keinen Ort auf der Welt, an dem man besser essen kann. Und ich glaube, es gibt ne Menge Orte in Israel, an denen man besseres Essen bekommt. Arme Volontäre sind leider auf ihre Einrichtung angewiesen.
Nicht mit uns! Wir starten die Aktion “Wohlstand” mit einem unglaublichen Angebot:
Postkarten für Carepakete
Unterstüzt die armen Volontäre in ihrer guten Sache – neben Gebet und guter Worte auch ganz materiell. Für jedes Päckchen, dass die Arbeit in der Einrichtung unterstützt und das Essen hier abwechslungsreicher und nahrhafter macht, antworten wir mit einer Karte aus dem Heiligen Land. Das Motiv der Karte wird von dem hauseigenen Fotografen Kyrill Ahlvers geschossen. Das Päckchen darf mit aller Kreativität gefüllt werden, die bis zu 21 Tage Reise übersteht.Sendet es an:
ILAN – Maon Nachim Gilo
Volonteers Flat
30. Zviya Veyitzchak St.
93840 Jerusalem
Wir danken allen Teilnehmern im Voraus und bitten, die Absenderdaten in sauberer Druckschrift aufzutragen, damit auch die Postkarte den Weg zum Empfänger findet."
(Q: http://israel.garons.net/?p=478 )

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